2025/1 - Bericht zur Veranstaltung „Stolpersteine“ im Bildungswerk Irsee
Vom 26.5. – 27.5.2025 fand im Bildungswerk Irsee die Veranstaltung „Stolpersteine“ zum Gedenken an die in der psychiatrischen Anstalt Irsee ermordeten NS-Euthanasie-Opfer statt. In der Zeit bis 1945 wurden dort mehr als 1000 Menschen auf verschiedene Arten (T4, Nahrungsentzug, Vernachlässigung, tödliche Medikamentengaben) umgebracht.
Die Gedenkveranstaltung begann am Montag den 26.5. mit einem Symposium „Anstalt Irsee – informieren, gedenken, bilden“. Daran nahmen heutige Betroffene, Hinterbliebene Familienmitglieder von damaligen Opfern, Historiker*innen, Politiker*innen und Interessierte aus dem Ort und der Umgebung teil.
In Gesprächsrunden wurden unter anderem die Punkte
- „Wie und wann bin ich mit dem Thema „Euthanasie“ an Betroffenen in Berührung gekommen?“
- Was hat sich seit dem ersten Berührungspunkt bei mir verändert – Wie hat sich die Materie und das Wissen darüber entwickelt? – Was hat das mit mir gemacht?“
- Was wünschen wir uns für die Zukunft über den Umgang mir diesem Thema und dem Gedenken an die Opfer?“
Manche Teilnehmende hatten sich schon seit vielen Jahren (z.B. 50 Jahre) oder erst seit kurzem (ca. 1 Jahr) damit befasst.
Die Kenntnisse darüber hatten sich bei allen erweitert. Das Thema ist bei vielen häufig im Gedächtnis. Viele bemühen sich auch, das Gedenken in der Öffentlichkeit in Erinnerung zu bringen. Es sind sich alle darüber einig, dass die Geschehnisse von damals nicht in Vergessenheit geraten dürfen, vor allem angesichts der politischen Entwicklungen.
Am Dienstag den 27.5.2025 wurden von Gunter Demnig, der in Deutschland bereits zahlreiche Stolpersteine gesetzt und auch die bereits vorhandenen Stolpersteine angefertigt hatte, acht neue Stolpersteine vor dem Haupteingang des Bildungswerks Irsee gesetzt.
Die 2. stellvertretende Bezirketagspräsidentin Frau Barbara Holzmann begrüßte die Anwesenden, darunter Herrn Stephan Stracke, MdB des Wahlkreises Ostallgäu, Herrn Peter Daniel Forster, Bezirkstagspräsident in Mittelfranken, Bezirksräte und Bezirksrätinnen, den 2. Bürgermeister der Gemeinde Irsee Herrn Bertram Sellner, die 3. Bürgermeisterin Frau Angela Städele und uns vom BayPE e.V.
Sie betonte in ihrer Ansprache die Wichtigkeit der Erinnerung an die geschehenen Verbrechen, auch im Hinblick auf aktuelle politische Entwicklungen und Forderungen. In ihrer Rede lobte sie die vorbildliche Aufarbeitung der NS-Zeit in der psychiatrischen Klinik Irsee durch die Leitung des Hauses und der Einwohner und der Verwaltung der Gemeinde Irsee. Angestoßen hatten diese Aufarbeitungsprozesse Herr Dr. Michael Raueiser als Leiter des Bildungswerks Irsee und Herr Prof. Michael von Cranach, noch in seiner Zeit als Leiter des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren.
Sie betonte, dass sich die Ereignisse von damals nie wiederholen dürfen. Auch die im Gespräch befindliche Idee einer Vorratsdatenspeicherung oder eines Registers für Betroffene sei bereits eine Ausgrenzung und weitere Stigmatisierung, gegen die man sich vehement zur Wehr setzen müsse.
Auch der Hausherr Dr. Raueiser verwies in seiner Rede auf die wichtige Bedeutung des Erinnerns an die Opfer der NS-Zeit und die langjährige Aufarbeitung der Vergangenheit durch das Bildungswerk Irsee.
So wurde im Dezember 2024 eine weitere Gedenkstätte geschaffen. Im Erdgeschoss des Konventgebäudes gibt es nun einen Ausstellungsraum zur Geschichte der psychiatrischen Anstalt. Dazu wird auch eine App (Anstalt Irsee) mit weiterführenden Informationen angeboten.
Auch Angehörige der Personen, die auf den neuen Stolpersteinen genannt sind, waren anwesend und erinnerten in berührenden Ansprachen an ihre verstorbenen Familienmitglieder.
Antonia Wagner und Rudolf Starzengruber