Peter Lehmann: Zwangsweise Elektroschocks als besondere Wohltat für alle?
Wir möchten auf folgenden Artikel aufmerksam machen, der vor kurzem erschienen ist:
Lehmann, Peter (19. Mai 2026): »Zwangsweise Elektroschocks als besondere Wohltat für alle?«. In: Mad in Deutschland. Wissenschaft, Psychiatrie & soziale Gerechtigkeit. Online-Publikation https://madindeutschland.org/zwangsweise-elektroschocks-als-besondere-wohltat-fuer-alle/
Im März 2025 publizierte Der Nervenarzt, das Mitteilungsorgan der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN), ein von Anhängern der Elektroschocks (›Elektrokrampftherapie‹) verfasstes und von ihrem Vorstand mitgetragenes sogenanntes Consensuspapier. Wie in seinen anderen Verlautbarungen pro Zwangsbehandlung pocht dieser Interessenverband von Psychiatern nun auch auf das allgemeine Recht auf zwangsweise Verabreichung von Elektroschocks gegen den natürlichen Willen von Betroffenen. Die Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie e. V. (DGSP) spricht sich als sozialpsychiatrischer Interessenverband zwar formell gegen zwangsweise Elektroschocks aus, stützt jedoch die Position der DGPPN, indem sie die Erzählung anderer Elektroschockbefürworter verbreitet, es gäbe für Hochdosis-Elektroschocks einen klaren Effektivitätsnachweis hinsichtlich einer antidepressiven Wirkung. Psychiatrisch Tätige mit ethischen Bedenken benötigen praxisrelevante Entscheidungshilfen für den Fall, dass sie an Elektroschocks mitwirken sollen, die man mit gerichtlich angeordneten formellem oder mit informellem Zwang, das heißt nach eingeholter Zustimmung ohne korrekte Aufklärung oder nach Falschinformation, verabreichen will.



