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Nachruf für unser Vorstandsmitglied Rudolf „Rudi“ Starzengruber

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserem langjährigen Vorstandsmitglied und Weggefährten Rudi.


Sein Engagement für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen begann im Jahr 2007 mit der Mitgründung einer Selbsthilfegruppe in Burghausen. Bereits kurze Zeit später übernahm er die Leitung einer weiteren Selbsthilfegruppe in Mühldorf und setzte sich seit vielen Jahren als Vertreter der Betroffenen am Runden Tisch der Krankenkassen für eine gerechte Förderung der Selbsthilfe ein.


Ein prägender Wendepunkt war für ihn im Jahr 2010 die Veranstaltung „Es ist Zeit für Veränderung“ im kbo-Isar-Amper-Klinikum Haar. Von diesem Zeitpunkt an brachte er seine Erfahrungen als Betroffener mit großem Verantwortungsbewusstsein in immer mehr Gremien der psychiatrischen Versorgung ein. 2012 gründete er die Unabhängige Psychiatrische Beschwerdestelle Oberbayern Ost und leitete sie mit großem Engagement. Als Gründungsmitglied und später stellvertretender Vorsitzender der OSPE e. V. sowie als EX-IN-Genesungsbegleiter setzte er sich konsequent für Peerarbeit und die Beteiligung von Betroffenen ein. Seit 2015 war er zudem als Referent des Vorstands für EX-IN und Peerarbeit beim kbo-Kommunalunternehmen tätig.


Besonders intensiv engagierte sich Rudi beim Bayerischen Landesverband Psychiatrie-Erfahrener (BayPE). Ab 2017 war er dort Mitglied, ab 2018 Vorstandsmitglied und ab 2019 zusätzlich Mitglied des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener (BPE e. V.). Ebenso gehörte er seit 2019 den Besuchskommissionen in Oberbayern an und war stellvertretendes Mitglied der Besuchskommission Niederbayern.
 

Für den BayPE brachte Rudi seine Erfahrung und sein Fachwissen in einer Vielzahl bedeutender Gremien auf Landesebene ein. Er wirkte unter anderem beim Gesundheitspolitischen Kongress der Bayerischen Bezirke, in der Arbeitsgruppe zum Gesamtplanverfahren, zum Masterplan Psychische Gesundheit sowie zur Bedarfsermittlung (BiBay) mit. Er engagierte sich im Begleitgremium Krisendienst des Bayerischen Bezirketags, im Beirat Psychiatrieberichterstattung Bayern, im Fachausschuss Psychiatrie und Neurologie des Bayerischen Bezirketags, im Gesprächsforum Betreuungsrecht des Bayerischen Justizministeriums sowie in der interministeriellen Arbeitsgruppe zur Überarbeitung des Bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes. Darüber hinaus arbeitete er in der Lenkungsgruppe zur Novellierung der Grundsätze der psychiatrischen Versorgung in Bayern, in Arbeitsgruppen der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe und im Landesbehindertenrat Bayern mit.
 

Rudi nahm regelmäßig an Verbändetreffen von BayPE, MüPE und OSPE, am Runden Tisch der Teilhabe des Bezirks Schwaben, an Treffen von EX-IN Bayern sowie an Mitgliederversammlungen des Dachverbands Gemeindepsychiatrie teil. Zahlreiche Fachtagungen und Kongresse nutzte er, um neue Impulse aufzunehmen und sich für eine bessere psychiatrische Versorgung einzusetzen.


Auch über den BayPE hinaus war sein Engagement außergewöhnlich. Er arbeitete mehrere Jahre im Maßregelvollzugsbeirat des kbo-Inn-Salzach-Klinikums Wasserburg mit, gehörte zum Organisationsteam des Basiskurses Sozialpsychiatrie und vertrat die Interessen Betroffener im Trialogischen Forum der DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V.) sowie in zwei Arbeitsgruppen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

 

Die Verbesserung der psychiatrischen Versorgung war Rudis Lebenswerk, dem er unermüdlich seine Zeit, seine Kraft und sein Wissen widmete. Mit außergewöhnlicher Leidenschaft setzte er sich für die Belange psychisch erkrankter Menschen ein. Die Lücke, die sein Tod hinterlässt, wird nicht geschlossen werden können.
 

Rudi war jedoch nicht nur fachlich versiert und engagiert. Er fragte nie danach, was sein Einsatz ihm selbst bringen würde, sondern hatte stets die Interessen der Betroffenen im Blick. Er begegnete Menschen mit Respekt, Offenheit und aufrichtiger Wertschätzung. Meist war er freundlich, zugewandt und kooperativ. Traf er jedoch auf Gleichgültigkeit oder mangelndes Verständnis gegenüber den Leiden psychisch erkrankter Menschen, konnte er seine Haltung klar und unmissverständlich vertreten. Gerade diese Mischung aus Diplomatie, Beharrlichkeit und Überzeugungskraft machte ihn zu einem glaubwürdigen und wirkungsvollen Fürsprecher der Betroffenen.

 

 

„Ich habe einen langjährigen und engen Freund verloren.
Und wir Betroffenen haben einen Menschen verloren, der sich für uns in jeder Art und Weise, überall empathisch und auf Augenhöhe eingesetzt hat: im persönlichen Kontakt, in den Selbsthilfegruppen, in der Unabhängigen Psychiatrischen Beschwerdestelle, im Maßregelvollzugsbeirat, in den zahlreichen Gremien und im Austausch mit den Professionellen – immer mit dem Ziel, die psychiatrische Versorgung zu verbessern und einen menschenwürdigen Umgang mit Betroffenen zu fördern.
 

Durch sein umfangreiches Wissen, seine diplomatische Art und seine Beharrlichkeit konnte er viele Ideen verwirklichen und die psychiatrische Versorgungslandschaft nachhaltig für die Anliegen von Betroffenen sensibilisieren.
Für mich und für viele andere Betroffenen wird Rudi unersetzlich bleiben. Wir werden ihn als Menschen, seinen Rat, seine Freundschaft und seinen unermüdlichen Einsatz für uns schmerzlich vermissen.“ – Antonia

 

„Rudi war sehr kompetent und hat die Zusammenhänge klar durchschaut. Er war sehr wohlwollend. Er hat sich bei der Begrüßung sichtlich gefreut.“ – Achim


"Ich habe Rudi als empathischen und engagierten Menschenfreund kennengelernt, der sich nach Kräften für Schutzbedürftige bzw. Schutzsuchende eingesetzt hat." – Thomas


„Rudi hat seine ganze Zeit und Energie für die Betroffenen eingesetzt. Das war bewundernswert.“ – Natalie