Bannerbild | zur Startseite Bannerbild | zur Startseite
  • Link zur Seite versenden
  • Ansicht zum Drucken öffnen
 

2025/2 - Die Veranstaltung im Kloster Irsee vom 1.11. bis 3.11.25: Die Lichter gegen das Vergessen und das Tagungsthema Einsamkeit

Begrüßung

Dieses Jahr fand wieder das Treffen des BayPE e.V. im Kloster Irsee statt. Das Seminar war wie immer sehr gut besucht. Zu Beginn begrüßten uns der Leiter des Bildungszentrums Herr Dr. Stefan Raueiser und Martin Girke, Referent der gleichen Institution. Herr Dr. Raueiser sagte, das Kloster weise eine lange, 600 jährige Geschichte als Benediktinerkloster auf, danach war es bis 1972 eine Psychiatrie mit einer unheilvollen Geschichte im Nationalsozialismus, als man für Krankenmorde verantwortlich war. Herr Girke, Bildungsreferent, stellte sich vor und sagte, er sei zuvor lange Pfleger in einer Psychiatrie gewesen.

Nach dem Mittagessen begrüßte uns Rudolf Starzengruber, Vorstandsmitglied des BayPE e.V.. Er hieß alle willkommen und bedankte sich beim Klo-ster Irsee. Das Thema der Tagung sei „Einsamkeit“. 

Von politischer Seite aus begrüßte uns danach Frau Barbara Holzmann, Vizepräsidentin des Bayerischen Bezirketags. Sie richtete Grüße aus vom Präsidenten des Bezirketags Herrn Franz Löffler.

Sie beklagte, dass die Kommunen finanziell an der Wand stünden, insbesondere den Bezirken würden die Kosten aus dem Ruder laufen. Dennoch gäbe es vielfältige Projekte im Bereich psychischer Gesundheit, auch gegen Einsamkeit, das Thema der Tagung. Aktuell gäbe es zum Beispiel ein Projekt für  über 65-jährige gegen Einsamkeit. In Zeiten leerer Kassen fände Prävention zu wenig statt, sagte sie. Die beste Prävention sei Unterstützung der seelischen Gesundheit, da sei die ganze Gesellschaft gefordert und auch jeder Einzelne. Sie selbst sei 30 Jahre lang Sozialpädagogin für psychiatrische Hilfen gewesen. Auch nichtpsychiatrische Hilfen seien Prävention. Ein Beispiel sei jemand, der sich nach einer Depression nicht wieder zurück in seinen Chor traut, wo er sang und dann ermutigt wird, wieder hin zu gehen. Singen sei überhaupt eine der besten Präventionsmethoden gegen Angst. 

Nach der Psychiatrie-Enquete hat man Patienten als aktive Mitgestalter gesehen, nicht nur als passive Empfänger von Hilfen. Früher habe es nur Wachsäle gegeben mit 50 Personen und Wärtern statt Pflegern. Damals habe man gesagt: „Wer spinnt kommt nach…(Einfügung eines Städtenamens in der es eine Psychiatrie gab) und wer noch mehr spinnt kommt nicht mehr zurück!“ Die Situation habe sich seit 1975 verbessert, sagte Frau Holzmann, als es in Bayern 15 Standorte mit BKHs gab. Heute seien es 64 Standorte und 120 PIAs (Psychiatrische Instituts-ambulanzen). Trialog sei damals genauso wenig bekannt gewesen wie Ex-In. Die Psychiatrie-Enquete habe einen Wandel in der Haltung bewirken wollen. Heute habe Bayern als einziger Flächenstaat einen Krisendienst. 

Die Suizidrate in Deutschland habe sich in den letzten Jahren halbiert, so dass man davon ausgehen könne, dass mehr Menschen sich Hilfe geholt haben als früher. Man solle sich gerade um die Schwäch-sten mit dem meisten Hilfebedarf wie Schizophreniebetroffene und Obdachlose am meisten kümmern, doch manchmal fielen sie durchs Hilfesystem. Leider stelle dieser Personenkreis auch oft von sich aus keine Anträge oder rufe bei Trägern von Hilfe an. 

Frau Holzmann wünschte uns zum Abschied eine erfolgreiche Tagung.

Nicht ohne uns über uns – Sozialraumorientierung durch Teilhabenetzwerk im Bezirk Schwaben

Die Referentin zu diesem Thema war Frau Walburga Bram-Kurz, Koordinatorin des Krisendienstes Schwaben. Sie sagte, sie sei zuständig für das Sachgebiet Sozialpsychiatrie. Man betreue kostenlose und anonyme Angebote wie Tagesstätten und Krisendienste. Der Auftrag sei eine personenzentrierte Versorgung. Es wurden neue gesetzliche Grundlagen geschaffen in der psychiatrischen Versorgung:

Die Behindertenrechtskonvention von 2009, das BTHG (Bundesteilhabegesetz) von 2016 und das PsychKHG (Psychisch-Kranken Hilfegesetz) von 2018. Was neu ist an diesen Gesetzen ist, dass sie ein Wunsch- und Wahlrecht der Betroffenen betonen. Das PsychKHG sei auch ein Präventionsgesetz, sagte die Referentin.

Neu geschaffen wurde in Bayern ein sogenannter Beteiligungsrat, ein Teilhabe-Netzwerk in dem auch Betroffene dabei sind. Es wurden dabei verschiedene Personen requiriert aus Tagesstätten, Heimen, Werkstätten, Ex-In und Zuverdienstprojekten.

Die Gedenkveranstaltung „Lichter gegen das Vergessen“

Wie jedes Jahr fand auch 2025 wieder die Gedenkveranstaltung „Lichter gegen das Vergessen“ statt, dieses Jahr zum 16. Mal. Der Gedenkort war der Friedhof der ehemaligen Anstaltspsychiatrie, auf dem Opfer der NS-Krankenmorde begraben liegen. 

Herr Dr. Raueiser begrüßte die Gäste, die Irseer-innen und Irseer, die anwesende Allgäuer Zeitung, den Initiator Robert Domes, der 2010 damit begann die Veranstaltung zu organisieren und die Psychiatrie-Erfahrenen. Außerdem begrüßte er Herrn Bayerlein aus Erlangen, dessen Großmutter in Irsee ermordet wurde, was jahrzehntelang verschwiegen wurde. Es waren außerdem auch Verwandte von Ernst Lossa anwesend, ein Opfer dessen tragisches Schicksal im Film „Nebel im August“ verfilmt wurde. Weiterhin waren anwesend: Der erste Bürgermeister von Irsee Herr Andreas Lieb und die Leiter der drei T4-Gedenkstätten in Bayern.

Herr Dr. Raueiser begrüßte den diesjährigen Gedenkredner Peter Eigelsberger, den Leiter der Gedenkstätte Schloss Hartheim. 

Dieser hielt dann die Gedenkrede:

Er zitierte den zynischen Befehl Adolf Hitlers der sagte: „unheilbar Kranken kann der Gnadentod gewährt werden.“  Die Betroffenen seien zu „Ballast-existenzen“ degradiert worden. Man rechtfertigte so die Ermordung von Patienten. Betroffen waren unter anderem Menschen mit Schizophrenie-Diagnose, Epileptiker und Juden. Es gab ein Gesetz zur „Verhütung von Erbkrankheiten“ das zur Aktion T4 führte (Ermordung von Patienten), die Gutachter waren Ärzte. In Bayern wurden über 7000 Patienten ermordet. Um 1940 gab es erste Morde in Grafeneck. Die betroffenen Familien wurden in der Regel nicht informiert, sie wurden erst verzögert über das Ableben informiert und es wurde ein natürlicher Tod vorgetäuscht auch wenn sie in einer Gaskammer gestorben waren. 

Lange wurden diese Tatsachen verschwiegen, erst 1970 gab es erste Forschungen über Hartheim und erst in den 2000er Jahren gab es Gedenkstätten, die die Namen der Opfer erfassten. Heute unterstützen diese Gedenkstätten Familien der Opfer bei der Recherche nach dem Schicksal ihrer Angehörigen. So sei es möglich, eine vergessene Person wieder in das Familiengedächtnis zu holen. Man konnte einen 80-jährigen Mann unterstützen, dessen Bruder mit acht Jahren in Hartheim ermordet wurde, da er erblindet war. Der Mann glaubte viele Jahre, sein Bruder sei im Heim auf natürliche Weise verstorben. Eine wichtige Aufgabe der Gedenkstätten sei auch, noch existierende Unterlagen den betroffenen Familien zur Verfügung zu stellen. 

Der Redner erinnerte auch an Franz Rossmann, der 1940 zusammen mit 70 anderen Menschen in Grafeneck ermordet wurde. Seine Frau schrieb Briefe an den Anstaltsdirektor um sein Schicksal aufzuklären. Diese Briefe zeigten, dass man damals schon ahnte was wirklich in den Anstalten passierte. Herr Eigelsberger bat die Anwesenden, gemeinsam die Ausstellung im Kloster anzuschauen. Herr Dr. Raueiser bedankte sich für die Kranzspenden des Bezirks und der Gemeinde Irsee. Er machte darauf aufmerksam, dass man ein Bild der Künstlerin Maja Nedwina aus der „Sammlung Prinzhorn“ ausstellt, die 1940 in Österreich von den Nazis ermordet wurde.

Wie jedes Jahr stellten die Besucher nach den Reden im stillem Gedenken Kerzen für die Opfer auf dem Grabhügel auf. 

Gemeinsam weniger Einsam

Dieser Vortrag wurde gehalten von Rita Wüst, die seit 11 Jahren ehrenamtlich im Vorstand der APK München ist (Angehörige psychisch Kranker). Es ging dabei um die Einsamkeit der Angehörigen von Psychiatiebetroffenen. Die Referentin betonte, dass ihr dieses Thema als Angehörige einer psychisch kranken Mutter wichtig sei, ihre Mutter sei zwar seit 2 Jahren verstorben, aber dieses Thema bleibe Teil ihrer Biographie. Politisch aktiv seien die Angehörigengruppen seit 1984. Die Selbsthilfe der Angehörigen hat sich gegründet wegen dem Thema „Wohnen“, weil viele Psychiatriebetroffene auch im Erwachsenenalter noch zu Hause wohnen mussten. Man setzte sich also ein für die Gründung von betreuten Wohngemeinschaften. Frau Wüst sagte, sie habe Psychologie und Kommunikationswissenschaften studiert. Sie arbeite bei der Landeszentrale für Gesundheit als Psychologin mit Langzeitarbeitslosen. Durch diese Arbeit wird sie immer wieder mit dem Thema Einsamkeit konfrontiert. Ein Teilnehmer merkte an, dass es im ländlichen Raum wenig Hilfe gäbe und die Stigmatisierung zu noch mehr Einsamkeit führe, es sei interessant zu erfahren, ob die Digitalisierung da eine Chance brächte. 

Die Referentin sagte, dass es in Deutschland immer mehr Einsamkeit gibt, auch im persönlichen Erleben, nicht nur objektiv. Es gibt auch gewähltes Alleinsein, das sei aber keine Einsamkeit. Es gibt nämlich auch das Gefühl von Einsamkeit wenn Menschen um einen herum sind. 

Angehörige von psychisch Kranken haben oft niemanden, dem sie sich anvertrauen können. Obwohl es ihnen schlecht geht, müssen sie eine Alltagsmaske aufsetzen, um ihr Inneres zu verschleiern. Sie müssen ihre Gefühle für sich behalten. Sie sagen dass es ihnen gut geht, auch wenn es ihnen schlecht geht. Belastungen von Angehörigen sind: Schuldgefühle, Hilflosigkeit, Zukunftssorgen, Trauer über die erkrankte Person, weniger Freiräume in der Lebensplanung, Isolation. Sie müssen mit einer veränderten Rolle der Angehörigen, sei es Tochter oder Mutter oder Sohn umgehen. Häufig sind die Angehörigen auch Betreuer, finanzielle Helfer, Pflegende, Wohnungsgebende und einziger Sozialkontakt. Manchmal müssen Angehörige die Betroffenen zu etwas überreden was sie nicht wollen, z.B. in eine Klinik zu gehen.

Es gibt ein Angebot von der Anni Gruber Stift-ung, dort wird ermöglicht, dass Eltern psychisch erkrankter Kinder Urlaub machen können, so haben sie eine Pause von der Dauerbetreuung. 

Manche Menschen würden auch den Kontakt zu den eigenen Eltern abbrechen und damit auch manchmal zur ganzen Familie. Auch dies kann zu Einsamkeit führen, meinte die Referentin. 

Die betroffenen Familien könnten aber auch nach Lösungen suchen: Man könne versuchen, eine gemeinsame Haltung zu entwickeln, eine angemessene Sprache finden, sich gegenseitig Freiheit zu gewähren, sich Zeit für Erfahrungsaustausch nehmen und Nähe und Distanz abzuwägen. 

Angehörige fragen sich oft: Soll ich helfen? Bin ich schuld? Kinder von betroffenen Eltern haben oft ein Problem mit Parentifizierung, oft müssen sie frühzeitig den Haushalt für Eltern und Geschwister führen. Gleichzeitig dürfen sie nicht über die Probleme in der Familie reden. 

Rita Wüst sagte über ihre Motivation für die Angehörigen Selbsthilfe, dass eine gemeinsame Sprache gegenseitiges Verständnis fördere und das Selbstbewusstsein stärke, denn „nichts ist schlimmer, als unverstanden und schweigend allein zu bleiben.“

Sie meinte zum Abschluss, dass nur ein gesellschaftlicher Diskurs das Stigma überwinden könne. 

Einsamkeit aus seelsorgerischer Sicht – Zugänge aus Sicht von Theologie und Seelsorge

Diesen interessanten Vortrag hielt Herr Matthias Mader von der Klinikseelsorge Kaufbeuren. Er ist Theologe und Sozialarbeiter. Er wollte zunächst Priester werden, hat aber dann geheiratet. Sein Gebiet war zunächst die ambulante Psychiatriearbeit. Er arbeitete in einer Beratungsstelle für chronisch psychisch Kranke und im ambulant betreuten Wohnen. Er meinte, dass die Betroffenen häufig von Einsamkeit betroffen seien. Es gäbe zwar Kontaktstellen für psychisch Kranke aber das sei ein Kompromiss, denn dann sei man wieder nur mit Betroffenen unterwegs, aber es bestünde auch ein Bedürfnis, Menschen außerhalb der eigenen Gruppe zu treffen, zum Beispiel aus der Kirchengemeinde. Dies gestalte sich aber manchmal schwierig. 

Eine Definition von Seelsorge ist die Begleitung von Menschen in Krisen des Lebens aus der Perspektive des Glaubens heraus. Sie sei die Begleitung von Einzelnen oder Gruppen im mühsamen Übergang von heute nach morgen. Sie ist keine Bevormundung, nur Begleitung. Man kann sie weiter untergliedern in Spiritual Care und Palliative Care (Begleitung von Sterbenden). Spiritualität kann eine religiöse aber auch eine a-religiöse Praxis bedeuten. Sie wendet sich auch an Konfessionslose. Es gibt dabei intrinsisch und extrinsisch motivierte Spiritualität, wobei die selbstmotivierte sinngebender und heilsamer sei. Herr Mader meinte, es sei nicht so einfach, sich nur verstandesmäßig dem Glauben anzunähern, man brauche so etwas wie ein Vertrauen, das in der Kindheit entsteht und solche Erfahr-ungen seien später schwer nachzuholen. 

Einer unserer Teilnehmer merkte dazu an, dass ihm der Glaube aus der Einsamkeit heraus geholfen habe und er deshalb nun schon lange keine Drogen mehr nehmen müsse. 

Der Seelsorger sagte, er habe diese Vorstellung: „Bevor ich mit Gott in Kontakt komme ist er mir bereits zugewandt und wohlwollend nahe, er sieht mich in meiner Verlassenheit und Isolation.“

Ein Teilnehmer fragte, wie der Referent als Seelsorger mit religiösem Wahn umgehe. 

Die Antwort war, dass der Umgang wertschätzend und nicht richtend sei, aber dabei könne man auch an seine Grenzen kommen, denn wenn jemand sagt „ich bekomme ein Kind von Jesus“ oder „ich habe eine Mission von Gott“, da „sage ich auch deutlich, dass das nicht meine Erfahrung ist“. Ich lasse Ihnen aber ihre Meinung. Es gibt auch eine Erfahrung von Spiritualität in Krisen, die nicht mit der Kirche übereinstimmt. Manchmal sei das aber auch für andere bereichernd. Wenn jemand sagt „ich bin Jesus“, höre ich ihm zu, gebe ihm Raum für die Erzählung, sage aber auch: „das ist nicht meine Meinung.“ Es sei aber auch so, dass manchmal jede spirituelle Erfahrung voreilig als Wahn qualifiziert wird. 

Einsamkeit begegnen aus Sicht der Selbsthilfe

Diesen Vortrag hielt Mirko Bialas, Soziologe und seit 7 Jahren Geschäftsführer der MüPE e.V.  (Münchner Psychiatrie-Erfahrene). 

Zur Einführung zitierte er Susanne Stier (Mitglied des Vorstands der MüPE): 

„Selbsthilfe ist nicht gleich Selbsthilfe.“

Denn tatsächlich gäbe es zwei Bedeutungen dieses Wortes:

Einmal sich selbst zu helfen, die gemeine Selbsthilfe im Sinne von Selbstheilungskräften und die organisierte psychiatrische Selbsthilfe bei der man sich gegenseitig in einer Gruppe hilft. 

Zur Begrifflichkeit der Einsamkeit sagte Mirko Bialas, dass es Ähnlichkeiten mit den Wörtern Alleinsein und Isolation gibt. Manchmal sei es auch ein romantischer Begriff, man meint beispielsweise einen Waldspaziergang, alleine in der Natur zu sein, eine wohltuende Einsamkeit. 

Man könnte Einsamkeit auch mit „Kontaktarmut“ beschreiben.

Man kann Einsamkeit zweiteilen: Die relative Einsamkeit und die absolute Einsamkeit, ähnlich wie man es auch mit dem Begriff „Armut“ macht. Relativ bedeutet hier, dass man weniger auf Partys geht, einen kleinen Freundeskreis hat und keine Gesellschaft hat. Absolute Einsamkeit bedeutet, dass grundlegende soziale Kontakte fehlen, kein Freundeskreis, keine Bekannte, keine Familie. Auftreten kann dies zum Beispiel bei einer schizoiden Persönlichkeisstörung. Wenn dann noch keine Bildung, keine religiöse Gemeinschaft und kein Geld dazu kommen, bleibt nur noch der Körper übrig als das einzige, was man noch hat. Dies beschreibt die Isolation als extremste Form der Einsamkeit. 

Der Referent fragte sich, ob sich die Einsamkeit von Psychiatrie-Erfahrenen unterscheidet von der anderer Menschen. Schizophrenie sei dabei der Archetyp des Wahnsinnigen. Wenn man sich für Jesus hält und jemand sagt zu einem „Grüß Gott!“ glaubt man: „Der meint mich!“ Alles was einem widerfährt leitet sich logisch davon ab, Jesus zu sein. Dabei macht man die Erfahrung, dass niemand bereit ist, das eigene Wahnsystem mit einem zu teilen. Daraus folgt eine tiefe Erfahrung von Einsamkeit. Man steht also mit seinem Wahnsystem alleine. Diese Unverstandenheit verschärft dann die Krise weiter. Mirko Bialas zitierte den französischen Soziologen Durkheim, der Einsamkeit als ein Problem der Moderne sah. Er schrieb ein Buch über den Suizid. Dort beschrieb er, dass manche Formen der Einsamkeit zum Suizid führen können. Die Betroffenen sind dabei entweder zu stark oder zu wenig in die Gemeinschaft eingebunden. Durkheim sah dabei, dass die alten Verbindungen, Familie und Stände aufgelöst wurden und es hat sich in der Moderne noch kein Ersatz gefunden. 

Er beschrieb die Arbeit als Lösung des Problems, aber die gibt es oft nicht für Psychiatrie-Erfahrene.

In der Philosophie wird die Einsamkeit auch als „Atomisierung“ bezeichnet. Der Mensch ist auf sich selbst zurückgeworfen. Das Individuum ist dabei nicht politisch, das kann nur eine Gruppe sein. 

Die Atomisierung ist eine Taktik der Herrschenden und versucht nach tyrannischem Prinzip die Menschen von ihren Weggefährten zu trennen nach dem Prinzip: „Teile und Herrsche!“ Die Gesellschaft wird partikularisiert, fragmentiert und entsolidarisiert sich. Bei der Vermassung wird die politische Passivität gewollt. Die gesellschaftliche Kontrolle verhindert Verbindungen, die bleibend sind, man zahlt einfach nur noch in Geschäften und hat darüber hinaus keine Sozialkontakte. 

Eine Veränderung ist aber möglich: Man kann Mitgefühl entwickeln, sich gute Verbindungen schaffen und „Molekül“ werden. Diese Molekülverbindung ist nicht gleich eine große Veränderung sondern fängt im Kleinen an um der Vereinsamung entgegen zu wirken. Schon Kontakte zu einer einzigen Person können Verbesserungen bewirken. 

Wie kann man sich selbst bei einer Krise helfen? Der Referent bezog sich auf den Philosophen Deleuze, der eine Metapher dafür verwendete: „Sich auf der Flucht bewaffnen.“

Das bedeutet, dass man sich in einer Krise oder einem Konflikt etwas aneignet, was einen wehrhaft dagegen macht. In unserem Fall könnten das Skills (Werkzeuge um sich selbst zu helfen) sein.

Dazu gehören beispielsweise: Schreiben, Listen anfertigen, Sammeln, Gärtnern, Kochen, Waldspaziergänge und vieles mehr. Konkret ist das in jeder Situation anders. Flucht meint in dieser Metapher das verlassen des Platzes an einen anderen Ort. Bildlich gesprochen kann der Mensch auch ein „Ritornell“ singen, das ist der Gesang der Vögel, um ihr Territorium zu markieren, das so groß ist, so weit das Lied reicht. Übertragen auf die Selbsthilfe bedeutet es sein „Lied“ wieder zu finden und so einen Ausgang aus der Krise zu finden. 

Einsamkeit: Die Perspektive der psychi-atrischen Pflege

Es folgte ein Referat über Einsamkeit aus Sicht der Krankenpflege in der Psychiatrie, gehalten von Johannes Kirchhof, der seit 1984 Pfleger ist. Er sagte, dass Köln, wo er herkommt, eigentlich gut aufgestellt sei gegen Einsamkeit, weil es dort den Karneval gibt. Diese Veranstaltung ist gelebte Gemeinschaft. Herr Kirchhof ist Mitglied der DFPP, einer Vereinigung von Pflegern in der Psychiatrie. 

Er sagte das Thema Einsamkeit sei durch die Corona-Krise stark in den Fokus gekommen. Die Zwangsisolation schaffte ein neues Bewusstsein für dieses Thema.

Das ICN (International Council of Nurses), eine internationale pflegerische Vereinigung, hat eine neue Definition von Pflege vorgenommen. Dort wird geschrieben, dass Pflege auf die Folgen einer Erkrankung schaut, den Menschen von der Geburt bis zum Tod begleitet und Advokat des Patienten ist. Das Ziel dabei ist die Selbstwirksamkeit des Menschen. 

Die Haltung in der Pflege hat sich über die Jahre verändert, früher sei sie manchmal eher selbstmitleidig gewesen, heute wird sie stärker als Berufung angesehen. Pfleger sind heute eine Brücke und pflegen Beziehungen zu den anderen helfenden Berufen wie Ärzte und Psychologen. 

Inzwischen kann man als Psychiatriepfleger auch zu Hause begleiten. In Köln gibt es eine Selbsthilfegruppe gegen Einsamkeit. Da kann es vorkommen, dass man als Pfleger mit hingehen muss, wenn Patienten sich nicht trauen, alleine hin zu gehen. 

Früher habe man ein dichotomes Verständnis von Krankheit und Gesundheit gehabt, das führte zu einer Ausrichtung auf institutionelle Hilfe und Behandlung. Das Soziale blieb Privatsache, es gab dafür keinen Raum in der stationären Behandlung. Heute weiß man, dass Genesung nicht nur in einem Krankenhaus stattfinden kann. 

Der Referent betonte den Unterschied zwischen Einsamkeit und Isolation. Einsamkeit ist subjektiv und soziale Isolation ist objektiv. Einsamkeit sei ein quälendes Bewusstsein zu wenig gut Beziehungen zu haben sowie eine Sehnsucht nach befriedigenden, sinngebenden Beziehungen. Das ist subjektiv.

Soziale Isolation ist nicht nur ein Gefühl sondern auch objektiv, von außen gesehen, vorhanden. 

Diese beiden Formen hängen zusammen, sind aber nicht das gleiche. Es gibt auch emotionale Einsamkeit in einer Beziehung als das subjektive Gefühl vom Gegenüber nicht verstanden zu werden. 

Auf gesellschaftlicher Ebene gibt es eine kollektive Einsamkeit als fehlende Zugehörigkeit zu einer größeren Gemeinschaft, man sieht, dass es immer weniger Vereine gibt. Das kann bei vielen Menschen das Gefühl auslösen, nicht mehr gebraucht zu werden. Herr Kichhof sagte, dass aus den Reichenvierteln die meisten Patienten in die psychiatrische Ambulanz kommen, weil diese Viertel keine Sozialräume mehr haben und die Reichen teilweise die falschen Ziele verfolgen wie immer mehr Geld zu verdienen. 

Er betonte aber, dass jetzt die junge Generation die Chance habe, einen Wandel einzuleiten. 

Einsamkeit könne tatsächlich schmerzen, weil sie in der gleichen Hirnregion wie körperliche Schmerzen verarbeitet werde. Verbindungen zu anderen können den Schmerz lindern. Die höchste Quote von Gefühlen von Einsamkeit haben allein erziehende Mütter mit Kind. Auch ein Migrationshintergrund bedeutet ein hohes Risiko, da es kulturell, sprachlich und finanziell zu wenig Anbindung gibt. Das gleiche gilt für Erwerbslose, je ärmer, desto einsamer, denn wer nicht einmal das Geld für einen Vereinsbeitrag hat, ist einfach von allem abgeschnitten. 

Es gibt bei dem Thema auch eine selbsterfüllende Prophezeiung, wenn jemand erwartet, vom Gegenüber abgelehnt zu werden und deshalb misstrauisch in eine Beziehung geht, wird er tatsächlich eher abgelehnt. 

Das Entscheidende bei der Überwindung der Einsamkeit, sei die Hoffnung, meinte der Referent. 

Auch das schwierige Thema Suizid gehöre thematisch dazu. 

Eine empfundene Last zu sein für andere Menschen oder der Gedanke, nirgendwo dazu zu gehören kann zu Suizidgedanken führen. Dann ist entscheidend, ob jemand gegen sich selbst Gewaltbereitschaft hat. Die Gene würden keine Rolle spielen, so der Referent, sondern die Prägung in der Familie. Das sagt die neuere Forschung, auch wenn die biologische Psychiatrie bisher etwas anderes behauptet hat. 

Einsamkeit hat auch körperliche Folgen, zum Beispiel Bluthochdruck. Sie ist genau so schädlich für den Körper, wie 15 Zigaretten am Tag zu rauchen. 

Auch die Ordnung der Gesellschaft trägt zur Einsamkeit bei: Es gibt bei uns Gewinner und Verlierer, es gibt zwar immer größere Freiheit aber auch mehr Vereinzelung. Viele Menschen trauen sich nicht über das Thema zu sprechen. Die Wechselwirkungen mit seelischen Krankheiten sind sichtbar. 

Ein erster Schritt zur Überwindung der Einsamkeit ist es, darüber zu sprechen. 

Auch durch „Ja“ sagen zum eigenen Schicksal kann Recovery (Genesung) gelingen. 

Der Referent schloss den Vortrag mit einem Zitat aus dem Gezeitenmodell, ein Ansatz der versucht Genesung in der Psychiatrie zu beschreiben:

„Das Leben ist eine Reise, die über den Ozean der Erfahrung führt.“

Einblick in den 2. Bayerischen Psychiatriebericht

Die Referentin, Frau Dr. Daniela Blank-Matthes stellte uns Inhalte des Psychiatrieberichts vor. 

Sie ist seit 2020 dafür zuständig beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und sie ist Soziologin. Grundlage für diesen Bericht ist das PsychKHG Artikel 4. Alle drei Jahre informiert die Staatsregierung den Landtag über die Versorgung im psychiatrischen Bereich. Die Versorgung umfasst vieles, darunter Krankenhäuser, aber auch Heime und betreute WGs. Der Bericht ist deutschlandweit einzigartig. Momentan sei in der Diskus-sion, ob dieser Bericht abgeschafft werden soll. Der Bericht liefert eine Datengrundlage, auf derer dann von der Politik Maßnahmen abgeleitet werden sollen. Das LGL hat einen Beirat, der bei der Erstellung mitwirkt. Er besteht aus Mitgliedern der Selbsthilfe, Angehörigen, der kassenärztlichen Vereinigung, Kliniken, Kammern, Pflegenden, der freien Wohlfahrtspflege und Mitgliedern des Bezirketags. Er besteht aus 14 Mitgliedern. 

Man erhebt nicht eigene Daten, sondern nutzt bestehende Statistiken, Surveys und epidemiologische Studien wie die Krankenhausstatistik oder die Suizid-Statistik. Weitere Datengrundlage sind Regi-sterdaten wie das Melderegister und eine Auflistung der Unterbringungen. Vier Millionen Menschen waren im letzten Jahr in ambulanter psychiatrischer Versorgung, davon waren 530.000 Kinder und Jugendliche. Über 2,9 Millionen werden dabei über einen längeren Zeitraum behandelt, das sind 26 Prozent aller Versicherten. Es gibt eine Zunahme der Häufigkeit im Alter. Im Jugendalter sind häufiger Frauen betroffen. Etwa die Hälfte der Patienten wird nicht von Psychiatern behandelt, sondern nur von Allgemeinärzten. Die Referentin meinte, das könne man durchaus kritisch sehen. 

Im letzten Jahr gab es 151.550 vollstationäre Krankenhausaufenthalte in der Psychiatrie. Im mittleren Erwachsenenalter sind insbesondere Männer betroffen. Es gab 8915 Rentenzugänge aufgrund verminderter Erwerbsfähigkeit im psychiatrischen Bereich. Dabei lag der Anteil der Frauen bei 60 Prozent. Bei Kindern und Jugendlichen gab es Einbrüche in der Anzahl der Aufnahmen ins Krankenhaus. Es gibt in allen Altersklassen eine Zunahme der Angsterkrankungen. 

Im Nordosten Bayern sind mehr Menschen psychisch erkrankt als in anderen Regionen, besonders betroffen ist Nürnberg. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. 

Im Jahr 2022 gab es 1811 vollendete Suizide, das war ein Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Drei Viertel dieser Menschen waren Männer. Es gab auch eine Zunahme der Selbstvergiftung-en, die wohl im Zusammenhang mit assistierten Suiziden stünden, dort sei aber eine Verbesserung der Datenlage notwendig. 

Der Psychiatriebericht kann auch Auskünfte geben zur Bedarfsgerechtigkeit, also der Frage ob die bedürftigen Menschen angemessen unterstützt werden. Es gibt nämlich deutlich mehr Wünsche nach Therapie als freie Plätze. Dabei gibt es ein Stadt-Land-Gefälle und ein Nord-Süd-Gefälle. Die Wartezeit auf Therapie beträgt im Durchschnitt 14 Wochen. Betroffen sind vor allem Kinder und Ältere von langen Wartezeiten. Dazu muss aber angemerkt werden, dass diese Menschen in der Wartezeit nicht völlig ohne Unterstützung sind, denn sie werden vorab auch von Hausärzten behandelt oder können probatorische Sitzungen beim Psychologen machen. 

Es gibt auch Statistiken über freiheitsentziehenden Maßnahmen: Es gab 17.404 vorläufige öffentlich-rechtliche Unterbringungen, davon wurden 3013 gerichtlich angeordnet. Es wurden 281 Zwangsbehandlungen durchgeführt, davon 328 Menschen mit Medikamenten und 3 Menschen wurden zwangsernährt. Bei den Fixierungen gab es 3036 Fälle. 

Was die Zukunft des Psychiatrieberichts betrifft, so gibt es Herausforderungen für die Zukunft: 

Die Datengrundlage muss verbessert werden zu Unterbringungen, den Suiziden und den Behandlungshemmnissen. Die Unübersichtlichkeit von Angeboten für die Patienten muss durch mehr Transparenz verbessert werden. Angebote müssten bedarfsgerecht gesteuert werden, die Angebote könnten sich besser vernetzen und besser koordiniert werden. Die Prävention sollte gestärkt werden.

Das Problem des Fachkräftemangels sollte angegangen werden. Schließlich, so schloss die Referentin ihren Vortrag, erschwere auch die Stigmatisier-ung eine frühzeitige Behandlung, dadurch werde Leid erzeugt. Notwendig sei es also, die akzeptierende Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern. 

Der Einsamkeitsbericht

Herr Johannes Brettner, Gesundheitswissenschaftler, hat zum Thema Einsamkeit geforscht. 

Zu Beginn seines Vortrags stellte er den Begriff vor und unterschied zwischen Einsamkeit als subjektivem Empfinden und sozialer Isolation als objektivem Zustand. 

Er beschrieb, dass es auch gewollt sein könne, alleine zu leben. Ein Beispiel sei der heilige Comenius, ein Einsiedler, der nur einen Bären als Begleitung hatte. Seine Einsamkeit war frei gewählt gewesen. 

Als Forschungsthema wurde Einsamkeit erst Anfang der 2000er Jahre entdeckt. Jetzt wird mehr geforscht, da inzwischen bekannt sei, dass die Zunahme des Problems Menschen leiden und sogar früher sterben lässt. 

Es gibt verschiedene Einflüsse auf die Frage, ob ein Mensch einsam ist: 

Es sind Persönlichkeitsmerkmale, der Gesundheitszustand, soziale Kompetenzen, das Wohnungsumfeld, kritische Lebensereignisse und die Digitalisierung. Menschengruppen sind unterschiedlich vulnerabel. Außerdem gibt es Einflüsse von gesellschaftlichen Megatrends: Die Individualisierung schreitet voran, es gibt einen demographischen Wandel, die Menschen ziehen mehr um, es besteht ein Rückgang von kollektivistischen Weltanschauungen, und verschiedene Ideologien betonen besonders die Eigenverantwortung des Menschen. 

Der Trend geht dahin, dass sich die sozialen Beziehungen verändern, es gibt eine Flexibilisierung der Lebensverhältnisse bei gleichzeitig weniger Gemeinschaft.

Das hat konkrete Auswirkungen auch auf den Körper. Herzerkrankungen haben um 26 Prozent zugenommen, es gibt auch mehr Schlaganfälle. Einsamkeit befördert auch einen weniger gesunden Lebensstil in den Bereichen der Ernährung, der Bewegung und der Suchtmittel. Letztlich bedeutet Einsamkeit oft einen vorzeitigen Tod und das Risiko von Suizidalität. 

In der Forschung darüber gibt es allerdings Erfassungsprobleme, denn die Todesursachenstatistik gibt keine direkten Hinweise auf Einsamkeit. Außerdem gibt es auch keine Diagnose „Einsamkeit“. 

Lediglich Studien können das Thema erforschen. Dabei gibt es die Schwierigkeit, dass Menschen sich scheuen über das Thema zu sprechen. Wenn die Forscher fragen: „Guten Tag, ich möchte mit Ihnen über Einsamkeit sprechen.“, stoßen sie auf Ablehn-ung. Es sei besser wenn sie fragen: „Wie oft haben sie das Gefühl, dass Ihnen Gesellschaft fehlt?“

In Bayern sind 1,8 Millionen Menschen häufig einsam, das ist etwa jeder sechste. 

Die Corona Epidemie hat eine starke Zunahme bewirkt, inzwischen geht das wieder zurück, aber die Häufigkeit ist immer noch höher als vor der Pandemie. In den letzten Jahren ist die Stigmatisierung weniger geworden, man kann nun eher über das Thema sprechen. Außerdem ist mehr ins Bewusstsein gelangt, dass man etwas dagegen tun kann, individuell und politisch.

Risikofaktoren sind das hohe Alter aber auch zum Beispiel eine Behinderung.

Welche Handlungsansätze gibt es?

Gefragt sind auch die sozialen Sicherungssysteme und die Verhinderung von Exklusionsrisiken.

Gemeindliche Sozialräume müssen gestärkt werden. Es müssen Maßnahmen gegen Mobbing geschaffen werden. Eine Verbesserung der Palliativversorgung ist notwendig. Vereine, Sport und Ehrenamt müssen gestärkt werden, sowie Angebote von sozialen und medizinischen Akteuren. 

In der Beratung kann das Thema angegangen werden, zum Beispiel in der Suchtberatung, der Elternberatung. Wichtig ist auch eine Öffentlichkeitsarbeit, die entstigmatisierend ist, in der Medienarbeit, bei Fachforen, dem Welteinsamkeitstag und eine Medienarbeit sowie Kampagnen zur Prävention.

Um die Einsamkeit zu überwinden müsse man ein Problembewusstsein entwickeln und das Thema entstigmatisieren. Dabei muss man zum einen die individuellen Ressourcen stärken und zum anderen auf gesellschaftlicher Ebene gesundheitsförderliche Verhältnisse schaffen. Der Referent betonte, dass es die „eine Lösung“ nicht gäbe, es bedürfe eines breiten Bündnisses in der Gesellschaft.

Das ist wichtig, denn Einsamkeit könne krank machen und jeden treffen, bis zu 20 Prozent der Gesellschaft seien betroffen. Der erste Schritt sei dabei, darüber zu sprechen. 

Zum Ende der Veranstaltung wurde diskutiert, was man im nächsten Jahr verbessern könnte. Am häufigsten wurde dabei genannt, dass man mehr Arbeit in Kleingruppen machen könnte. Außerdem wurde vorgeschlagen, einmal einen Spaziergang im Dorf zu machen, eventuell könne man positivere Themen besetzen, die nicht so belasten. Es gab Vorschläge zu weiteren Themen wie die elektronische Patientenakte, die Rolle der Selbsthilfe in der peergeleiteten Assistenz. Außerdem wurde vorgeschlagen, eine Vorstellungsrunde einzuführen.

Zum Schluss bedankte sich das Vorstandsmitglied Achim Kuck bei allen Anwesenden, den Referenten und dem Bildungswerk Irsee und verabschiedete uns. 

Es war wieder einmal eine schöne und erfolgreiche Veranstaltung im Kloster Irsee!

Autor: Tim Stubbe