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2026/1 - Warum Menschen mit psychischen Krankheiten keine rechtsextremen und rechtspopulistischen Parteien wählen sollten

Rechtsextremes Denken lehnt die Gleichwertigkeit aller Menschen sowie die Grundprinzipien des demokratischen Verfassungsstaates ab. Stattdessen geht es von hierarchischen Ordnungen aus, die sich etwa auf rassistische Kriterien, Geschlecht, Religion, soziale Herkunft oder kulturelle Ausdrucksformen stützen. Populismus dagegen konstruiert eine strikte Gegenüberstellung zwischen einem vermeintlich ‚guten‘ Volk und einer korrupten Elite, die dessen Willen missachtet. Populistische Akteure behaupten, diesen wahren Volkswillen exklusiv zu vertreten. Dass in demokratischen Gesellschaften vielfältige Meinungen bestehen und immer wieder neu verhandelt werden müssen und hierfür Frustrationstoleranz essenziell ist, blenden Populist*innen systematisch aus. Populismus ist zwar nicht per se rechtsextrem, doch seine Vereinfachungen erleichtern es rechtsextremen Akteuren, ihre Ideologien zu normalisieren.

 

Psychologisch betrachtet leben solche Weltanschauungen von klaren Feindbildern, ausgeprägtem In-Group-/Out-Group-Denken („wir“ gegen „die“), der Entmenschlichung Andersdenkender, von Komplexitätsreduktion und mentaler Rigidität. In gesellschaftlichen Situationen, die durch wachsende ökonomische und soziale Ungleichheit, rapide technologische Veränderungen und wiederkehrende Krisen geprägt sind, finden diese Denkmuster besonders leicht Resonanz, denn sie nähren sich von der Erfahrung von Benachteiligung und Verlust und letztlich auch von Angst. 

Seit 2021 wird die AfD vom Deutschen Institut für Menschenrechte offiziell als „rechtsextrem“ eingestuft. Beim Deutschen Verfassungsschutz gilt sie als Verdachtsfall.

 

Oft werden rechtsextreme und rechtspopulistische Ideen gepaart mit der Vorstellung eines „gesunden“ und „starken“ Volkes. Menschen, die weniger leistungsstark oder gar auf Hilfe angewiesen sind, werden in solchen Systemen oft als Bürde wahrgenommen. Auch die AfD fährt einen solchen Kurs: Sie will Spitzenverdienende und Vermögende durch Steuersenkungen entlasten, gleichzeitig spricht sie sich gegen Rechte von Mieter*innen und Erhöhungen des Mindestlohnes aus. Zudem möchte die AfD Langzeitarbeitslose zu „Bürgerarbeit“ verpflichten. Besonders häufig arbeiten chronisch oder schwer psychisch Kranke im Niedriglohnsektor oder sind lange arbeitslos, da sie häufig aufgrund ihrer Krankheit von langen Ausfallzeiten betroffen sind. Auch setzt sich die AfD für Privatisierungen im Gesundheitssektor ein. Werden solche Maßnahmen umgesetzt führen sie dazu, dass viele Menschen sich keine ausreichende Gesundheitsversorgung mehr leisten können. Eine Verschlankung des Sozialstaates und eine noch stärkere Orientierung am Neoliberalismus wie sie sich die AfD vorstellt, trifft arme Menschen und Menschen, die stark auf das Sozial- und Gesundheitssystem angewiesen sind, am meisten.

 

Menschen mit rechten Ideologien mögen außerdem Normen und am besten sollen alle diesen Normen entsprechen. Im Falle der AfD treffen Anfeindungen aufgrund des Andersseins am häufigsten Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund und Menschen aus dem queeren Spektrum. Weniger prominent im öffentlichen Diskurs ist die Ausgrenzung von Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Oft wettern AfD-Politiker*innen gegen Inklusion von Kindern mit Behinderungen in Regelschulen, da es ihrer Meinung nach das Leistungsniveau der Schulen verringert, und gegen Texte in „Leichter Sprache“, da sie eines AfD-Politikers zufolge für „Idioten“ seien. „Nicht therapierbare alkohol- und drogenabhängige sowie psychisch kranke Täter“ sollen gemäß der Vorstellung der AfD nicht in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt werden, sondern in „Sicherheitsverwahrung“ untergebracht werden. Mehrere psychologische Studien belegen auch, dass Menschen, die sich politisch rechts einordnen, an mehr negative Stereotypen von Menschen mit psychischen Krankheiten glauben, sie mit mehr negativen Attributen versehen und sie für gefährlicher halten. Eine von der AfD geführte Regierung wäre also mit ziemlicher Sicherheit wenig tolerant gegenüber psychischen Krankheiten und würde das Stigma psychischer Krankheiten verschlimmern, was dazu führen würde, dass Betroffene noch seltener Akzeptanz und Unterstützung finden würden und das Gefühl des Isoliert-Seins verstärkt werden würde. 

 

Benachteiligt in einer Regierung der AfD würden also alle Menschen, die auch heute schon benachteiligt sind, nur eben würde sich dies nochmal um einiges verschärfen. 

 

Wir, der BayPE, wünschen uns eine Gesellschaft, die Menschen mit psychischen Krankheiten respektiert und unterstützt, so dass sie in der Gesellschaft als gleichwertige Mitglieder angesehen werden und partizipieren können. Wir wünschen uns eine Gesellschaft, die mit Empathie auf das schaut, was sie nicht versteht, und versucht sich diesem offen und freundlich anzunähern. Wir wünschen uns auch eine Gesellschaft, die die Menschenrechte ernst nimmt und die Würde aller Menschen achtet, besonders die von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen. Eine solche Gesellschaft kann nur wachsen auf einer demokratischen verfassungsbasierten Grundordnung, die die Individualität, Vielfalt und die Verletzlichkeit des Menschen anerkennt.

 

Natalie


Quellen:

https://taz.de/Historikerin-ueber-rechte-Koerperpolitik/!6110952/ 

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11705754/ 

https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/aktuelles/detail/rassistisch-und-rechtsextrem-klare-abgrenzung-von-der-afd-geboten 

https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/infopool-rechtsextremismus/542331/recht-s-extrem-dimensionen-einstellungen-akteure-und-strategien-im-themenfeld-rechtsextremismus/ 

https://www.diw.de/de/diw_01.c.879742.de/publikationen/diw_aktuell/2023_0088/das_afd-paradox__die_hauptleidtragenden_der_afd-politik_waeren_ihre_eigenen_waehler_innen.html 

https://www.verfassungsschutz.de/DE/verfassungsschutz/75-jahre-bfv/6-aktuelle-schlaglichter/aktuelle-schlaglichter_artikel.html 

https://www.sovd-hh.de/news-service/artikel/sovd-verurteilt-wiederholte-behinderten-und-menschenfeindliche-aeusserungen-der-afd 

https://www.uni-jena.de/261800/psychologie-der-rechtsradikalisierung 

https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-08/afd-waehler-politik-paradox-ostdeutschland