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2025/1 - Das Singen von Mantras und die psychische Gesundheit - Eine Methode sich selbst zu helfen

Wenn wir von Selbsthilfe reden, meinen wir meist eine gegenseitige Hilfe von Betroffenen für Betroffene. Der Begriff hat aber noch eine zweite Bedeutung, nämlich die, sich selbst zu helfen – wenn gerade niemand da ist und man auf sich alleine gestellt ist. Selbsthilfe also auch als ein Mittel eines Erste-Hilfe-Kastens für die Psyche im Sinne eines Skills.

 

Es ist so, dass ich gerne musiziere, deshalb habe ich mir überlegt, wie das Singen von Mantras der psychischen Gesundheit dienen könnte.

 

Ein Mantra ist ein kurzes gesungenes Musikstück, das nur aus wenigen Zeilen Text besteht und das für längere Zeit wiederholt werden kann. Es kann zum einen einen religiösen Zweck haben und zum anderen auch nur der Entspannung dienen. Man findet sie bei Völkern auf der ganzen Welt. Besonders viele davon gibt es im buddhistischen Raum und im Hinduismus, aber auch die Sufis haben sie gesungen. Schließlich gibt es sie auch in der christlichen Welt, man denke an Mönchsgesänge auf Latein im Kloster und an die relativ modernen Lieder aus dem christlichen Orden in Taizé in Frankreich, die sich auf der ganzen Welt an Beliebtheit erfreuen. 

 

In dieser Form sind sie eine Art des Gebetes. Ein anderer Ansatz ist der, sie nur zur Entspannung und Beruhigung zu singen, oder als Affirmation ohne religiöse Absichten. In diesem Sinne ist es eine Form der Meditation. Dies kann heilsam sein für Körper und Geist. 

 

Ich habe mich bei Klinikaufenthalten oft gefragt, warum diese Art des Singens in der Musiktherapie so selten praktiziert wird und ich könnte mir vorstellen, dass das daran liegt, dass die Therapeuten denken, der religiöse Gehalt würde nicht jedem Patienten gefallen oder dass es Menschen gibt, die einfach nicht gerne singen. 

 

Einmal habe ich es aber miterlebt, dass ein Therapeut uns ein Mantra des Volkes der Maori singen ließ, dessen Text in deren Sprache sowieso niemand verstand. Es war eine sehr angenehme Übung, an die ich mich gerne erinnere. Als Jugendlicher war ich in Taizé, habe die dortigen Lieder gesungen und es war ein tiefes emotionales Erlebnis. 

 

Unser nächster Selbsthilfetag am 5.7.25 im Haus Tobias in Augsburg wird einige Themen behandeln, die mit Entspannungstechniken und der Frage zu tun haben, welche Werkzeuge man in einer Krise verwenden kann um sich zu helfen. 

Ich habe vor, eine Gruppenarbeit zu machen, bei der wir Mantras singen werden. Natürlich werde ich vorher fragen, ob es weltanschauliche Einwände gegen Texte einer bestimmten Religion gibt, so dass man allen gerecht werden kann. Das ist natürlich nur für diejenigen Teilnehmer gedacht, die das interessiert, wir werden mehrere Themen zur Auswahl haben. 

 

Es gibt auch noch die Möglichkeit, Mantras umzudichten und Texte zu verwenden, die keine religiöse Bedeutung haben, sondern zum Beispiel  positive Affirmationen darstellen, möglich wäre ein Text wie: „Ich werde heute etwas Gutes tun und glücklich sein. Heute wird ein schöner Tag!“ Dabei bin ich auch offen für eigene Vorschläge der Teilnehmer. 

 

Ich wünsche Euch allen eine schöne Zeit bei bester Gesundheit und viel Freude, ich hoffe wir sehen uns am Selbsthilfetag!

 

Tim Stubbe