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2024/3 - Assistenzhund für Psychiatrie-Erfahrene Menschen - Der Assistenzhundetrainer Hans-Jürgen Püls im Interview mit PE Ulrike Beringer

1. Was ist ein Assistenzhund?
„Medizinische Hilfe bzw. Unterstützung“
Sollte als Partner gesehen werden!
Begleitet immer nur einen Menschen. Hat mind. 3-5 Aufgaben, die seinem Menschen direkt helfen.

 

2. Ist das dasselbe wie ein Begleithund?
Nein. Ein Begleithund z.B. unterstützt therapeutische Maßnahmen.
Assistenzhund ist für einen Menschen, speziell für ihn ausgebildet.

 

3. Gibt es Assistenzhunde für Menschen mit psychischen Besonderheiten?
Ja, die gibt es. Z.B. für Personen mit PTBS, Autismus, ADHS, ...

 

4. Ist es sinnvoll tierische Assistenz in Anspruch zu nehmen?
Es ist sinnvoll, wenn die Person Hunde mag, gerne in ihrer Umgebung ist und sich mit ihnen wohl fühlt.

 

5. Sind Hunde geeignete fachliche Hilfskräfte für Menschen mit besonderen psychischen Eigenheiten?
Assistenzhunde können zum Beispiel effektiv bei psychischen Leiden helfen. Auch ist ihre positive Einstellung bzw. Interaktion, gut für die Psyche, kann Stress verringern, Symptome von Psychischen Lasten lindern.

 

6. Was wenn man keine posttraumatische Belastungsstörung hat? Kann man dann auch ein Assistenzhund für die Seele bekommen?
Es kommt nicht nur auf die Störung an, sondern auch auf den Grad der Schwerbehinderung bzw. was im entsprechenden Ausweis steht.

 

7. Macht dem Hund das Arbeiten Freunde?
Es gibt Rassen, die gerne arbeiten, andere wiederum nicht. Der Hund darf nicht überfordert werden, sonst steigt er aus. Der Hund benötigt auch seine Ruhephasen. Es kommt viel darauf an, wie der Halter mit seinem Hund umgeht.

 

8. Was braucht der Hund für sein Glück?
Ein gutes Zuhause, einen guten Halter.
Regeln, auf keinen Fall Strafen, wenn es mal nicht funktioniert.

 

9. Gibt es da Unterschiede zwischen Hündinnen und Rüden?
Mit Rüden und Hündinnen macht es meiner Meinung nach gleichermaßen Freude und Spaß. Es hängt viel davon ab, wie der Halter mit seinem Hund umgeht.  

 

10. Ist jeder Hunderasse geeignet?
Mehr oder weniger. 
Es kommt auch auf das Aufgaben- /Einsatzgebiet an, benötige ich eine große Rasse oder eine kleine Rasse?

 

11. Können auch Mischlingshunde diesen Job erfüllen?
Prinzipiell ja. Es gibt auch Rassehunde, die nicht geeignet sind.

 

12. Welches Gesetz muss ich beachten, wenn ich einen Hund will? 
Die Frage, welcher GdSB vorhanden ist und 13.

 

13. Welches Gesetz gilt für Assistenzhunde?
Das Tierschutzgesetz, die Assistenzhundeverordnung (AHundV) und auch das Grundgesetz

 

14. Welches Amt ist für dieses Gesetz zuständig?
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) Zentrum für Familie und Soziales (ZBFS)

 

15. Was sind die wichtigsten Inhalte des Gesetzes für Assistenzhunde?
Wie bei jeder Verordnung / jedem Gesetz, gibt es Stolpersteine, die noch uns aus dem Weg geräumt werden müssen.

 

16. Funktioniert die Umsetzung des Gesetzes in der Praxis?
Zum jetzigen Zeitpunkt nicht so, wie es sich der Gesetzgeber vorgestellt hat.

 

17. Über welche Schwierigkeiten stolpert man im Alltag mit dem Assistenzhund immer wieder?
Im Alltag können es Zutrittsrechte sein infolge von Unwissen von den Verantwortlichen in z.B. Ämtern, Praxen, Krankenhaus, Restaurant etc.

 

18. Wie lange dauert die Ausbildung eines Assistenzhundes?
Ich würde sagen, 2-2 1/2 Jahre. Der Hund muss mindestens 17 Monate alt sein, um die Prüfung ablegen zu können.

 

19. Was sind die größten Herausforderungen bei der Ausbildung eines Assistenzhundes?
Ungeduld des Menschen, falsche Erwartungshaltungen, nicht Umsetzen von Trainingszeiten, falsche Trainingsansätze.

 

20. Wie alt muss der Hund sein, wenn die Ausbildung begonnen wird? Gibt es eine Altersgrenze, ab welcher ein Hund mehr ausgebildet werden kann?
Der Hund kann jederzeit in das Training einsteigen. Er sollte natürlich schon einen guten Grundgehorsam haben.

 

21. Wie komme ich an ein geeignetes Tier?
Gute Recherche, entsprechende Fragen stellen, Netzwerke nutzen.

 

22. Sind Hunde aus dem Tierschutz geeignet?
Ich würde sie generell nicht ausschließen. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Es gibt auch Rassehunde, die nicht geeignet sind.

 

23. Muss es ein großer Hund sein?

Nein, kommt auf das Aufgabengebiet an.

 

24. Muss es ein intelligenter Hund sein?
Er sollte ein gewisses Talent haben und trainierbar sein, auch “Will to Please” zeigen.

 

25. Woran erkenne ich einen geeigneten Hund?
Es gibt verschiedene Tests. Es gibt prädestinierte Rassen bzw. Hunde mit einem Gespür dafür.

 

26. Mit welchen Kosten muss ich bei der Ausbildung eines Assistenz-Hundes etwa rechnen?
Würde sagen zwischen 15.000 € und 25.000 €. Der Markt regelt Angebot und Nachfrage. Es sind nicht nur Trainerkosten, sondern auch Kosten für Tierärztliche Atteste, Tests, Fahrten und Prüfung.

 

27. Kann ich da Unterstützung bekommen?
Es gibt verschiedene Anlaufstellen, doch das Thema ist noch nicht so im Alltag bzw. In den Ämtern angekommen, wie es sollte.

 

28. Woher kann ich Unterstützung bekommen?
Rentenversicherungsanstalt, Krankenkassen, Stiftungen, Knappschaft.

 

29. Was kostet mich die Hundehaltung im Alltag?
Kommt darauf an, welches Futter, Hundeausstattung, Tierarztkosten, Versicherungen, Hundesteuer, Spielzeuge etc…. Ich schätze 130 € pro Woche (bitte nicht festlegen!).

 

30. Was braucht der Hund noch?
Seinen Menschen, Auslauf, körperliche und geistige Beschäftigung, sinnvolle Regeln, artgerechte Pflege

 

31. Braucht das Tier eine Haftpflichtversicherung?
Ja

 

32. Muss ich den Hund krankenversichern?
Nein, ist kein Muss, sondern ein finanzieller Aspekt

 

33. Muss ein Assistenzhund kastriert oder sterilisiert werden?
Nicht grundsätzlich, laut Tierschutzgesetz muss dafür auch ein medizinischer Grund vorliegen.

 

34. Muss ich den Assistenzhund an einem besonderen Geschirr führen oder genügt ein Halsband mit Leine?
Meiner Meinung nach immer mit einem Geschirr.

 

35. Woran erkennt man einen Assistenzhund?
Am offiziellen Emblem

 

36. Wieviel Zeit brauche ich im Alltag täglich für meinen Assistenzhund?
???

 

37. Wie ist das, wenn ich mit dem Hund verreisen will?  Kann der Hund das, darf er in den Bus, in den Zug, aufs Schiff in ein Flugzeug?
Ja, sollte er dürfen, doch es ist nicht jedem bekannt.

 

38. Wie ist das im Hotel, in der Pension in der Jugendherberge, in der Gaststätte?
Ja, wie 37. Man sollte sich vor Reiseantritt informieren bei seiner Unterkunft, auch über Verkehrsmittel.

 

39. Darf ich einen Assistenzhund mit in den Lebensmittelladen nehmen?
Informieren (siehe 37).

 

40. Kann mich ein Assistenzhund zum Arzt begleiten?  
Informieren (siehe 37).

 

41. Darf er im Krankenhaus bei mir sein?
Informieren (siehe 37).

 

42. Welche Erfahrungen gibt es diesbezüglich in der Psychiatrie?
Ich denke, auch hier muss umgedacht werden, nicht jeder hat tierische Assistenz im Blick.

 

43. Muss ein Assistenzhund im Bett seines Menschen schlafen? Oder kann er bedenkenlos ein eigenes Körbchen nutzen? 
Muss nicht, kann auch in seinem eigenen Schlafplatz sein. Sollte aber seinem Menschen nahe sein. Kommt auch auf die Art der Assistenz an.

 

44. Wie groß muss meine Wohnung sein, wenn ich einen Assistenzhund halten will?
Da gibt es diesbezüglich keine Vorgabe. Wichtig ist, dass der Hund auch Hund sein darf und Auslauf beziehungsweise ebenfalls Freizeit hat.

 

45. Welche Pflichten habe ich als Hunde-Papa oder Hunde-Mama noch?
Jeder ist für sein Tier verantwortlich, seine Pflege, Gesundheit. Ich muss zudem Ressourcen haben, wenn ich den Hund, zum Beispiel bei Krankheit, unterbringen muss.

 

46. Welche Fähigkeiten brauche ich, um einem Assistenzhund ein angemessenes Leben bieten zu können?
Ich muss es wollen. Dazu auch Geduld, Durchhaltevermögen und Selbstkontrolle. Sowie mein Tier als Partner sehen.

 

47. Spezielle Ausbildung, um einen Assistenzhund halten zu dürfen?
Soweit bekannt ist, nein.

 

48. Ich habe gehört in der Pubertät sind Hunde besonders schwierig, stimmt das?
Gilt nicht pauschal, doch es kann hin und wieder herausfordernd werden in der Zeit.

 

49. Was ist wenn der Hund alt wird?
Mir besonders wichtig: ein schönes Hunde-Rentendasein haben.

 

50. Wie lange lebt ein Hund? 
Das ist unterschiedlich. Kommt auch auf die Pflege, Gesundheit an. Manchmal passiert auch Unvorhergesehenes.

 

51. Wie lange kann und darf der Hund als Assistenzhund arbeiten?
Da gibt es in der AHundV Vorgaben für Check Up’s im Alter.

 

52. Muss ich den Hund beerdigen lassen auf einem Tierfriedhof?
Nein, es gibt auch andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Verbrennung, zu Hause eine Urne ...

 

53. Was ist das Schönste am Leben mit Hund?
Wenn die Beziehung zwischen Menschen und Hund stimmt, kann es eine sehr schöne Partnerschaft sein. Man hat einen treuen Begleiter im Leben.

 

54. „Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund!“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Kannst du das aus deiner Erfahrung bestätigen?
Ob die Seele gesund wird, kann ich nicht sagen. Doch ich zum Beispiel blühe auf, freue mich auf jeden Tag mit meinen Hunden. Sie sind da und freuen sich mit mir, schimpfen mich aber auch, wenn ich ihrer Meinung nach mal zu lange unterwegs war (keine Angst, nicht falsch denken, ich habe genug Ressourcen aufgebaut und meine Hunde sind meistens dabei).

 

55. Warum sind Hunde für uns Menschen so wertvolle Tiere?
Einen Hund kannst du nicht wirklich belügen, er wird ein Teil von dir. Sie sind unschätzbar im Teilen von Emotionen, gut für Seele und Psyche. Dazu sind Hunde wahre Eisbrecher.

 

56. Seit wann arbeitest du als Hundetrainer?
Offiziell seit 2011. Ich habe mit Ernährung und Assistenz als Hundetrainer angefangen. Ich bin auch Verhaltensberater, Therapie-Hundeausbilder und Tiertrainer. Gerade bin ich dabei eine weitere Ausbildung abzuschließen. 

 

57. Seit wann arbeitest du als Assistenzhunde-Trainer?
Siehe 56

 

58. Macht dir deine Arbeit Freude?
Ja, sehr gut. Jeder Hund ist anders, ist ein Individuum, hat eine Seele (auch wenn das andere, vielleicht auch andere Trainer, anders sehen). Es gibt auch immer etwas zu lachen. Und natürlich auch der Umgang, die Interaktionen an den Menschen.

 

59. Was ist das Schönste an deinem Beruf?
Draußen zu sein mit Menschen und Hund. Hunden etwas beibringen zu können. Die überraschenden Augen der Halter zu sehen, bezüglich dem, was da vor ihnen schlummert.

 

60. Welches Erlebnis mit Hunden hat dich am meisten berührt?
Da gibt es mehrere: einen Hund, den niemand haben wollte, einen Hund aus Tötung, der jetzt das Leben genießt... den/die passende/n Hundehalter/In mit dem passenden Hund zusammenzubringen... Verkannte Hunde in ihrem Verhalten durch Spaß und Freude in die richtige Spur gebracht und nicht etwa durch Strafe.
 

Ulrike Beringer